Rohkost?! Was ist das denn?

Was bedeutet eigentlich Rohkost?

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Wie bei vielen anderen Themen gibt es auf diese Frage keine eindeutige Antwort. Wenn man beginnt, sich mit Rohkost zu beschäftigen, dann merkt man schnell, welch Vielfältigkeit hinter diesem Begriff steckt. Es gibt ganz unterschiedliche Ansichten, Meinungen und Schulen darüber, was jeweils „roh“ ist und was entsprechend gegessen werden kann. Dabei gibt es Vertreter, die rohes Fleisch und rohen Fisch in ihren Speiseplan integrieren und Verfechter einer rein veganen Rohkost. Auch ist der Grad der Verarbeitung der rohen Lebensmitteln je nach rohköstlicher Perspektive unterschiedlich. So sind die einen der Meinung, Rohkost sollte so gegessen werden, wie sie aus der Natur kommt. Noch nicht einmal gewaschen sollte sie werden, damit wichtige Mikroorganismen nicht verloren gehen. Verfechter dieser Methode verzehren ihre Nahrungsmittel meist monoköstlich, das heißt, eine Mahlzeit besteht aus nur einem Nahrungsmittel. Sinn und Zweck, verschiedene Lebensmittel nicht in Kombination miteinander zu essen ist es, dem Körper die Verdauung zu erleichtern. Rohkost kann aber auch anders gehen. Neuster Hype sind seit einigen Jahren die grünen Smoothies, die mittlerweile wahrscheinlich jeder kennt. Ein großer Bestandteil aus grünen Blättern (Wildkräuter, Spinat, Grünkohl) wird beliebig kombiniert mit anderen rohen Lebensmittel, wie Obst, Gemüse, Samen oder Nüssen und in einem Mixer zu einem dickflüssigen Getränk gemixt. In den letzten Jahren hat vor allem die – man könnte sie „Gourmet“-Rohkost nennen, Einzug in den Mainstream erhalten. Ziel ist es, konventionelle Gerichte von Pizza über Pasta zu Kartoffelpürees, Eis oder Kuchen, rohköstlich nachzukreiiren und so  für jedermann zugänglich zu machen.

Die Rohkostbewegung hat verschiedene Wurzeln. Rohkost ist einerseits bekannt geworden durch ihre Heilwirkung. Gerade die sogenannten Zivilisationskrankheiten, wie Diabetes, Gicht, aber auch einige Krebsarten können mit einer Umstellung auf Rohkost geheilt oder abgeschwächt werden. Dazu gibt es neuerdings sogar schulmedizinische Beweise! Diese Ansätze der Rohkost gibt es schon lange. Neuer sind Bewegungen aus dem Leistungs- und Extremsport und als On-Top der veganen Sportbewegung. Hier ist es vorrangiges Ziel, den Körper zu optimieren und leistungsfähiger zu machen. Die sogenannten Superfoods, z.B. rohe Produkte aus Hanf oder Kokoswasser als Elektrolytspender haben darüber Einzug auf den rohköstlichen Speiseplan erhalten. Die Ernährung mit Rohkost hat eine offensichtliche Nebenwirkung: Sie macht schön. Deshalb haben viele Hollywoodstars und Models diese Form der Ernährung für sich entdeckt. In diesem Zusammenhang ist die rohköstliche Ernährung meiner Meinung nach aber kritisch zu sehen, weil sie hier unter das Postulat eines grenzwertigen Schönheitsideals gestellt wird. Nichtsdestotrotz ist dies für jedermann und jederfrau ein toller Nebeneffekt. Auch gibt es unter den Rohköstlern spirituell oder politisch motivierte Anhänger, die sich den gängigen kapitalistischen Logiken entziehen wollen und in der Rohkost einen alternativen Weg für die Gestaltung einer guten Gesellschaft sehen.

Rohkost ist dabei meist Ernährung und Lebensstil zugleich und zeigt sich in unterschiedlichen Facetten: In der praktischen Verwendung und Verarbeitung von Lebensmitteln, in seinen theoretischen Grundlagen und Philosophien und letztlich der persönlichen Motivationen, sich ihrer anzunehmen. Wir selbst gehören keiner bestimmten Schule an und haben auch nicht vor uns einer Richtung anzuschließen. Dennoch beobachten wir die Rohkost-Szene, um uns vielseitig inspirieren zu lassen und für uns einen Weg zu finden. Ich möchte hier im Folgenden meine Beobachtungen dokumentieren und die verschiedenen Richtungen und Ansichten vorstellen, die uns begegnen und zum Nachdenken anregen.


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