Zeiten knacken mit Rohkost

CIMG1232

Zwei Rohköstler gehen an den Start

Kalte Finger, der Geruch von altem Schweiß und Waschmittel in der Nase und dazu noch mindestens 27 Grad Tagestemperatur. Da steh ich mal wieder an der Startlinie eines Volkslaufs und bin ziemlich nervös. 10 unerbittliche Kilometer warten auf mich und ich weiß jetzt schon, dass mir spätestens ab Kilometer vier das Laktat um die Nase peitschen wird. Der letzte Wettkampf ist ein Jahr her und das Ergebnis war nicht gerade prickelnd. Die Geburt meiner Tochter hatte mir damals nicht viel Raum für Training gegeben. Und eigentlich war das ganze Jahr keine Zeit für eine richtige Vorbereitung auf einen Wettkampf. Deswegen habe ich mit einer richtig miesen Zeit gerechnet.

Eigentlich wollte ich nur einen entspannten Familienurlaub in Ostfriesland verbringen. Sich fünf Tage in Aurich von Utes Eltern verwöhnen lassen und dann drei Tage in der Sonne auf Norderney chillen. Dass es so einfach nicht werden würde, war schon irgendwie klar als es hieß: „Auf Norderney ist am Samstagabend ein Volkslauf und Reini ist angemeldet.“ Reini ist Utes Papa und quasi eine kleine Lauflegände in Ostfriesland. Er hat zweimal den Ossiloop gewonnen und sich damit in der Laufwelt der Ostfriesen unsterblich gemacht. Zudem ist er der Rohkostpionier in der Familie. Lange Rede kurzer Sinn, eigentlich stand in diesem Moment für mich fest, dass ich starten musste.

Was sollte schon schief gehen. Schließlich hatte ich noch fünf Tage zu Vorbereitung und Utes Mutter ist eine exzellente Köchin, die dazu super leckere Rohkost Pizza kreieren kann.

Gestärkt mit einer Woche Gourmetrohkost im Blut fuhren wir bei strahlendem Sonnenschein nach Norderney. Den Tag verbrachten wir am Strand und genossen die Sommertage auf der ostfriesischen Insel. Gegen Abend stieg, wie nicht anders zu erwarten, die Nervosität. Kann ich mit Rohkost wirklich gute Leistungen bringen? Hab ich in den letzten Wochen nicht zu viel Gewicht verloren? Und an meinen Trainingsstand wollte ich erst gar nicht denken. Aber für Zweifel war keine Zeit. Rein in die Laufklamotten und ab an den Start. Der Plan für dieses Rennen war, wie eigentlich für jeden Wettkampf, alles auf eine Karte zu setzen. Konkret hieß das, mich an die Versen von Reini zu hängen, der eine 39er Zeit angepeilt hatte. Eigentlich völlig utopisch für mich, aber man konnte es mal probieren.

Vor dem Startschuss galt es ein letztes mal tief durchzuatmen und den Kopf auszuschalten. Dann folgte der Startschuss. 350 Läufer setzten sich in Bewegung. Reini und ich befanden uns unter den ersten 30 und es lief wirklich gut. Der Körper arbeitete, die Füße waren leicht und ich hatte richtig Spaß am Laufen.

Bei Kilometer zwei musste ich Reini trotzdem ziehen lassen. „Nicht anders zu erwarten, aber trotzdem sch…“, raunte es in meinen Kopf. Langsam zogen die nächsten Gruppen an mir vorbei. Endlich! Bei Kilometer fünf hatte ich vier Läufer um mich, die mein Tempo hatten. Trotzdem würde es hart werden. Die Beine waren schwer, der Mund komplett ausgetrocknet und der Schmerz der Muskelübersäuerung nahm langsam zu. Nach sieben Kilometern dachte ich bereits, wie mies das alles hier wird. An Aufgeben war allerdings nicht zu denken. Das Motto hieß: der Lauf geht weiter bis zum bitteren Ende. Beim Einlauf in die Zielgerade hatte ich sogar noch Kraft für einen Abschlusssprint. Beflügelt von der Zeitanzeige habe ich alles gegeben, was noch ging. Nach 41 Minuten und 45 Sekunden war alles vorbei. Schnaubend und abgekämpft lehnte ich mich an eine Mauer.

Eine Minute schneller als im letzten Jahr und alles ohne mein Training zu intensivieren. Sauber! Reini hatte eine Zeit von 38 Minuten und wurde damit Zweiter in seiner Altersklasse. Ob es an der Rohkost lag? Kann schon sein, aber belegen könnte ich es nicht. Auf jeden Fall hatte ich keinen Muskelkater und konnte die nächsten Tage munter weiter trainieren. Und das beste an der Gesichte: Ich habe keine Probleme mit meiner Achillessehne.CIMG1233

Mit diesem sehr positiven Erlebnis freu ich mich schon auf meinen nächsten Lauf. Im September findet der Elmshorner Stadtlauf statt, an dem ich allein aus Lolkalpatriotismusgründen teilnehmen muss. An einer besseren Zeit wird bis dahin natürlich gearbeitet.

One thought on “Zeiten knacken mit Rohkost

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.