Ein Trip ins All? Nordisch Roh goes Durian

Neulich besuchten Achim und ich einen kleinen Asialaden in unserer wunderschönen Kleinstadt. Wir dachten, dass es dort möglicherweise zumindest ein kleines Angebot an frischem, exotischem Obst oder Gemüse geben könnte. Und tatsächlich. Die Auswahl war überraschend groß und wir freuten uns ganz besonders über die jungen Kokosnüsse, die wir bisher über einen Versandhandel bezogen hatten!

Und dann die zweite Überraschung: Der Asialaden hatte eine Durian im Angebot. Ihr habt richtig gehört, eine D-U-R-I-A-N, die Gott-Frucht der Rohköstler. Zwar tiefgefroren, aber immerhin die ganze Frucht. Für 4,50 Euro/Kilo (zum Vergleich: Bioäpfel liegen gerade bei fast 5 Euro/Kilo). Auch wenn wir bisher noch kein dringendes Bedürfnis hatten, die Durian mal auszuprobieren, war die Gelegenheit nun einfach günstig.IMGP2999

Für alle Nicht-Rohköstler: Ihr müsst wissen, dass die Durian unter den Rohköstlern quasi als die Königin unter den Früchten gehandelt wird, deren Genuss zu quasi-orgasmischen Zuständen führen kann. Andererseits ist es aber auch bekannt, dass diese Frucht aufgrund ihres intensiven Geruches (man möchte fast sagen: Gestanks!) auch als Stink- oder Käsefrucht bekannt ist. Beschreibungen des Geruches gehen von „faulige Zwiebel“, über „Babywindeln“ oder „Abwasserkanal“. Nicht umsonst besteht in Südostasien für öffentliche Gebäude und Hotels häufig ein Mitnahme- und Verzehrverbot. Auch in öffentlichen Verkehrsmitteln Südostasiens ist ein Durian-Beförderungsverbot nicht ungewöhnlich. Dennoch, und das ist wohl das besonders außergewöhnliche an dieser Frucht, soll der Genuss dieser Frucht regelrechte Geschmacksexplosionen auslösen. Ich möchte euch folgende Stelle aus dem Buch „Die Sonnendiät“ von David Wolfe präsentieren, damit ihr nachvollziehen könnt, wovon ich hier spreche.

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„Gute, frische Durianfrüchte gehören sicher zu den unglaublichsten essbaren Dingen auf Erden. Einmal fuhr ich mit Fred […] an einem asiatischen Markt in San Diego vorbei, wo wir anhielten und frische, reife Durians entdeckten. Ich kaufte die reifsten Früchte, die es gab. Im Auto brachen wir eine Durian auseinander – es war wie Nektar und Ambrosia. Ihr Geschmack war so leicht, so fein, so kraftvoll, dass sich unser Bewusstsein sofort öffnete. Beim Essen erzählte ich Fred eine Geschichte, und als ich fertig war, schaute ich zu ihm hinüber – er hatte kein einziges Wort von dem, was ich ihm erzählt hatte, registriert. Er befand sich in der Weite des Weltraums, wo ich ihn nicht erreichen konnte – und er wollte auch gar nicht erreicht werden. Das ist die Kraft der Durianfrucht.“ (S. 127)

Nun aber wieder zurück zu uns. Wir planten unseren Trip ins All für den nächsten Tag. Gesagt, getan. Das Zerlegen der Frucht war trotz der großen, scharfen Stacheln kein Problem, da wir uns über die beste Technik schlau gemacht hatten. Auch der Geruch war okay. Nicht gerade wie Blumenwiese, aber auch längst nicht so schlimm wie Babywindeln im Abwasserkanal. Nach dem Öffnen der Frucht stießen wir auf dickes, gelb-weißliches Fruchtfleisch. Das ganze Gebilde erinnerte an Gehirn, was heißt: Appetitlich sah es nicht gerade aus. Wir waren aber auch nicht total abgestoßen und begannen zu essen. Die ersten Happen waren –nun ja- interessant. Nicht schlecht, nicht gut. Eben anders. Doch plötzlich, nachdem wir vorsichtig einige Happen gegessen hatten, ging gar nichts mehr! Alles in uns sagte: Stop! Nicht weiter! Wir hörten auf zu essen, verstauten die Frucht (von der noch mindestens drei Viertel übrig war) und ließen unser Erlebnis erst einmal sacken. Und während wir so sacken ließen, nahm das ungute Gefühl in uns weiter zu. Dazu kam ein sich ausbreitender Nachgeschmack im Mund, der immer widerlicher wurde – faulige Zwiebel trifft es tatsächlich. Bäh!

Am nächsten Tag, als wir in die Küche kamen, widerte uns der entgegen kommende Geruch der Durian regelrecht an. Es IMGP3034gingt nicht anders und auch wenn wir jetzt einige Rohköstler-Seelen ganz schlimm beanspruchen: Die Durian landete auf dem Kompost. Für Nordisch Roh gilt in diesem Fall der plattdeutsche Schnack: „Wat de Bur nicht kennt, dat frett he nicht.“ Unseren Trip ins All haben wir auf unbestimmte Zeit verschoben und machen es uns erstmal mit einer guten Portion einheimischer Äpfel hinter unserem Deich gemütlich.

0 thoughts on “Ein Trip ins All? Nordisch Roh goes Durian

  1. Hab‘ selbst noch keine Durian gegessen, aber wenn ich mir beispielsweise vorstelle ich hätte noch nie Wassermelone probiert und hätte das angebrochene (und absolut scheußliche) (Mängel-)Exemplar, welches sich derzeit noch in meinem Kühlschrank befindet, als Erstverkostung vorgesetzt bekommen, käme ich wahrscheinlich auch nicht auf die Idee die Frucht nochmals zu verzehren.

    Vielleicht ein miese Ernte erwischt, bei der Lagerung/Transport etwas schief gelaufen oder oder oder

    Oder die überhypte Frucht ist doch nicht der gepriesene Gott aller Früchte 😉

    Mir wird sie früher oder später sicher auch mal über den Weg laufen, Faszination strahlt sie ja schon aus…

    Grüße

    1. Klar, das tiefgefrorene Einzelexemplar lässt wahrscheinlich keine Schlüsse auf die Grundgesamtheit zu. Der Vergleich zu einer frisch geernteten Variante wäre spannend! Wir hoffen, dass wir in den Genuss (??) eines Tages kommen werden! 🙂

  2. Oh nein, ihr hättet sie wirklich nicht wegwerfen dürfen! Ich hatte GENAU das gleiche Erlebnis beim ersten Mal, inkl. widerwärtigem Nachgeschmack. Auch am zweiten und dritten Tag schaffte ich nur ein Ministück. Jetzt, ein paar Monate später- ihr ahnt, was jetzt kommt- gibt es für mich nichts besseres als Durian!!! Probiert es einfach alle paar Wochen wieder. Vielleicht findet ihr im Asialaden gefrorene Durian, die ist viel günstiger! Oft gibt es auch kleine Packungen mit geschälter gefrorener Durian. Der Geschmack ist fast genau so gut und der Gestank nicht ganz so schlimm. Also: dranbleiben! 🙂 Und ich bin mir sicher, wir dürfen hier bald von einem wundersamen Ereignis lesen. 😉 😀

    1. Das motiviert uns, dran zu bleiben. 😉 Wir werden der Durian noch eine Chance geben, dachten aber daran uns dann wirklich eine gute Frucht aus dem Rohversandhandel kommen zu lassen. Es bleibt auf jeden Fall spannend. 😉

    1. Hehe! Direkt im Ursprungsland würden wir der Durian auf jeden Fall noch mal eine Chance geben. Und bei so einem Event wäre ich zu gerne mal dabei!

  3. ist wahrscheinlich wie bei allen südfrüchten: in ihrer ursprünglichen heimat schmecken die einfach ganz anders. orangen oder mandarinen direkt reif vom baum gepflückt kann man geschmacklich auch nicht mit den hier im supermarkt angebotenen früchten vergleichen. und das gefrieren trägt sicherlich auch nicht zum erhalt des geschmacks bei.

    1. Das denke ich auch. Der Geschmack bleibt da im wahrsten Sinne „auf der Strecke“. Vielleicht kommen wir ja noch mal in den Genuss, eine Durian in den Tropen zu probieren! 🙂

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