Rohkost auf Reisen – unser erster Versuch

Rohkost auf Reisen:

Als Rohköstler hat man es ja nicht leicht, besonders dann nicht wenn man im Urlaub ist. Nicht, weil man nicht lässig mit einem Waffeleis in der Hand durch die Innenstadt schlendern kann (mit Möhre in der Hand = weitaus weniger lässig). Auch nicht, weil man am Urlaubsort keine regionalen Spezialitäten ausprobieren kann oder darauf verzichten muss, abends im Biergarten ein Gläschen Rotwein zu schlürfen und beschwingt die abendliche Sommerluft zu genießen. Nein, davon spreche ich nicht. Denn ihr müsst wissen, als Rohköstler steht man über all diesen niederen Versuchungen, die quasi aus einem Leben „davor“ stammen, das man längst schon aus seinem Gedächtnis gestrichen hat. Als Rohköstler hat man es vielmehr deswegen nicht leicht, weil wir in einer rohkostunfreundlichen Welt leben. Keine Rohkosteisverkäufer (da sehe ich eine zukünftige Marktlücke), keine rohe Pizza und keine Brennnesseln in den Hotelgärten. Deswegen stellt sich unweigerlich die Frage: Wie kann ich verreisen und gleichzeitig eine ausgewogene rohköstliche Ernährung sicherstellen?

Bei der Unterkunft fangen die Schwierigkeiten schon an. In Hotels übernachten ist eher schlecht, bis auf ein paar Häppchen super-light-and-healthy Obstsalat zum Frühstück ist an eine rohköstliche Versorgung nicht zu denken. Gut, dass Hotels schon wegen vieler anderer Gründe ausscheiden (die da wären: wenig Platz, komischer Geruch, sauber gefaltete Schlafanzüge auf dem Bett, wenn man am Abend heim kommt). Aber auch Jugendherbergen sind nicht so toll, obwohl der Schlafanzug so liegen bleibt wie man ihn hinterlässt. Denn man braucht schon eine eigene Küche, um sich seine Mahlzeiten selbst zubereiten zu können. Da bleiben noch Ferienwohnungen.  Doch ist diese Lösung ideal? Schwierig, denn die Küchen sind konventionell eingerichtet. Mit Herd & Backofen, dafür ohne Mixer. Ohne letzteren geht allerdings gar nichts, hat man sich so ein Ding erst einmal angeschafft und sich an den Komfort gewöhnt.

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Vitamix ins Auto gepackt und los!

Bleibt die naheliegende Lösung, den Mixer in den Urlaub mitzunehmen. Hört sich simpel an, es folgen aber weitere Einschränkungen. Denn Urlaub heißt ja per se schon viel Gepäck. Urlaub mit Kind heißt ganz viel Gepäck. Rohköstlicher Urlaub mit Kind heißt viel zu viel Gepäck. Zu viel, um beispielsweise mit der Bahn zu fahren. Oder mit dem Flugzeug zu fliegen. Letzteres  tut man als ökologisch korrekter Typ ja Gott sei Dank sowieso nicht. Erst Recht nicht, wenn man sich neuerdings häufiger beim Kauf von Flugmangos erwischt. Bleibt noch das Auto, was wiederrum einschränkend auf die Entfernung des Reiseziels wirkt, zumindest dann, wenn man wie ich, seine Zeit nicht gerne hinter dem Steuer auf Autobahnen verbringt. Dazu kommt die Unsicherheit: Gibt es einen Bioladen am Urlaubsort? Gibt es dort auch Kokoswasser zu kaufen? Wie komme ich an frisches Grün? Google Street View sollte sich erweitern und am besten ganze Umgebungen fotografieren. Goggle Nature View, das wäre doch wirklich mal Rohköstler-freundlich („Da! Nur 200 Meter entfernt wächst Giersch! Das Apartment buchen wir!“).

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Monoköstlich auf Norderney?!

Nun gut, was haben wir nun getan? Wir sind den Weg des geringsten Widerstandes gegangen und haben in meiner Heimat Ostfriesland Urlaub gemacht. Regionale Spezialitäten sind bekannt und mäßig verführerisch, Schlendern durch die Innenstadt birgt die Gefahr, alten Schulkameraden zu begegnen, mit denen man dann smalltalken oder schlimmstenfalls einen Kaffee trinken gehen muss („ein stilles Wasser bitte“). Ähnliches gilt für die Biergärten. Die Bedingungen schienen uns aber nicht nur deswegen ideal zu sein. Hinter meinem elterlichen Haus erstreckt sich ein großer Garten mit jeder Menge Wildkräuter und einem großen Gemüsegarten. Der Urlaub war gerettet! Für unseren zweitägigen Trip nach Norderney (gleichbedeutend mit wenig grün!) deckten wir uns mit rohem Brot und rohem Mandelmuß vom Versandshop ein. Zugebenermaßen fehlte uns das Grün ein bisschen. Aber im Zweifel gibt es einen tollen Trick, solche Durststrecken mit Coolness zu überwinden: Man stellt sich vor, Monoköstler zu sein, womit man zu den Krasstesten unter den sowieso schon enorm krassen Rohköstlern gehört!

Fazit: Rohkost-Urlaub ist anders – wie das Rohkost-Leben insgesamt. Mit ein bisschen Planung geht es super und da dies sowieso in meiner Natur liegt, hatte ich auch keine Probleme!

One thought on “Rohkost auf Reisen – unser erster Versuch

  1. Hallo,

    probiert doch mal Wohnmobilurlaub aus?
    In der Vorsaison kann man gut mieten, Küche ist an Bord, auf Stell- oder Campingplätzen hat es genug Strom für Küchengeräte und in Frankreich bersten die Märkte vor grünen Sachen. Unser Kind mag diese Urlaubsart, So halb draussen 🙂

    Liebe Gruesse Fagopyrum

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