Ein Schokoladentraum aus Antwerpen

schokoladen traum

Die Geschichte

Mein Freund Viktor stand in dem kleinen Schokoladen-Geschäft und brachte kein Wort heraus. Ihm war als ob er sich in ihren braunen Auge zu verlieren schien. Er vergaß den Raum um sich, er vergaß die Auslage mit den braunen und weißen Schokoladentafeln. Er vergaß die Pralinenberge im Schaufenster, die ihn in dieses Geschäft mitten in der verschlungenen Altstadt von Antwerpen geführt hatten.

Es waren keine 5 Minuten vergangen, seit er das Geschäft betreten hatte, das ihn schon von außen in seinen Bann gezogen hatte. Er stand allein in diesem kleinen Laden, umgeben von einem schweren, aber dennoch lieblichen Kakaoduft. An der Decke waren goldene Petroleumlampen angebracht, die Wände waren mit dunklem, altem Holz vertäfelt. Ihm fiel sofort auf, dass es eine besondere Holzart gewesen sein musste, schließlich hatte er solch eine Holzart noch nie gesehen, obwohl er jahrelange als Antiquitätenhändler gearbeitet hatte. In die Vertäfelung waren massive Regale eingearbeitet, die unter der Last von Kakaobutterblöcken, getrockneten Früchten und Gläsern mit Kakaopulver ächzten. Zudem lagerten hier große Gläser, in denen Vanille- und Zimtstangen und allerlei andere Gewürze untergebracht waren, die den Duft des Raumes mit ihren würzigen Noten schwängerten. In den Ecken lagen einige schwere Säcke mit Kakaobohnen.

Aber was war das doch für ein seltsamer Ort, keine Menschenseele weit und breit, noch nicht einmal eine Bedienung, die einen hinter der schweren hölzernen Theke hätte behilflich sein können. Dieser Zauberort schien sich selbst überlassen zu sein. Während Viktor so da stand und nach einer Klingel oder Glocke suchte, sprang eine Tür am Ende des Raumes auf. Herein kam eine grazile junge Frau mit schwarzen Haaren und einer Haut so braun, als würde sie jeden Morgen in Schokoladen baden. Meinem Freund Victor verschlug es die Sprache. Sie trug ein langes dunkelrotes Kleid und hatte ihre langen schwarzen Haare lose mit einer Haarspange am Hinterkopf befestigt. Mit einer hellen, klaren Stimme fragte sie: “Was kann ich  für Sie tun, mein Herr?“. Er sah in ihre Augen und bekam kein Wort über seine Lippen. Nie hatte er in solch schöne große braune Augen mit einer solchen Klarheit geblickt. Ihm war als stünde die letzte Aztekin vor ihm.

Viktor wusste selbst nicht, was er hier eigentlich wollte. Er wusste nur, dass dies ein ganz besonderer Moment in seinem Leben war. Die Frau schien das zu bemerken und unterbrach die Stille. „Ich heiße Amber und dieses Geschäft gibt es schon seit vielen Jahrzehnten in Antwerpen. Immer in Familienbesitz. Hier werden die Geheimnisse für die beste Schokolade der Welt gehütet. Wollen Sie probieren?“ Natürlich wollte er, denn wenn er schon nicht sprechen konnte, so konnte er zumindest essen. Amber verschwand hinter die Ladentheke und brach ein kleines Stück der Tafel der Familienschokolade aus der Vitrine ab. Sie reichte es ihm. Als es seine Lippen berührte, war es wie eine Explosion. Die Schokolade schmolz langsam auf seiner Zunge und es entfaltete sich der Geschmack von reinem Kakao gepaart mit einer dezenten frischen, würzigen Note. Es war ein Hochgenuss. Der Raum um ihn verschwand.

Auf einer Bank vor seinem Hotel im jüdischen Viertel kam er wieder zu sich. Was war geschehen? Wie war er hier her gekommen und wo war Amber? Er konnte sich nicht genau erinnern. Seit diesem Tag ist mein Freund auf der Suche nach Amber, aber auch nach dieser geheimnisvollen Schokolade. An den Geschmack kann er sich genau erinnern und auch daran, dass ihm Amber erzählte, diese Schokolade habe keinem Lebewesen geschadet und sei nicht vom Feuer berührt worden. Da er das Schokoladengeschäft im Herzen von Antwerpen auf seinen zahlreichen Geschäftsreisen als Diamanthändler nie wieder fand, blieben ihm nur diese Anhaltspunkte, um die Schokolade selbst herzustellen und den Glücksmoment von damals so ein Stück nachempfinden zu können. Viktor gab mir dieses Rezept. Es ist eine Annäherung an jenes aus dem Schokoladenladen, wenn es in seiner Viollkommenheit aber noch nicht erreicht ist.

Das Rezept schokoladen traum 2 ein schokoladentraum 2

Zutaten:

  • 50 g Kakaobutter
  • 35 g Kakaonibs
  • 40 g Mandelmus
  • 3 EL Mandelöl
  • 2 EL Agavendicksaft
  • 1 TL Vanille (optional, Rohkostqualität fraglich!)
  • 2 TL Kardamom
  • getrocknete Orangenschale einer kleinen Bio-Orange*

*Orangenschale reiben und trocknen, z.B. im Dörrgerär oder einfach auf der Heizung!

Zubereitung:

Kakaobutter sanft schmelzen (bei ca. 37 Grad). Kakaonibs fein mahlen. Gemahlene Kakaonibs zusammen mit Mandelmus, Mandelöl und Agavendicksaft in einer flachen Schüssel mit einer Gabel glatt rühren. Dann die flüssige Kakaobutter, Vanille und Kardamom hinzugeben und nochmals zu einer homogenen Masse rühren. Die Orangenschale unter die Masse heben (man kann sie fein mahlen oder etwas gröber lassen, wir lassen sie gröber, das macht die Schokolade noch etwas interessanter). In eine Tafel- oder Pralinenform geben und im Kühlschrank härten.

Auf der Zunge zergehen lassen und an Viktor denken!

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5 thoughts on “Ein Schokoladentraum aus Antwerpen

  1. Was für eine wunderschöne Geschichte 🙂 !!! Da geht einem ja das Herz auf … Gerne mehr davon – zwinker …
    Liebe Grüße
    Renate

  2. Hammer-Lecker! Und in 10 Minuten gemacht. Ich wusste erst nicht, was Kakaonibs sind, die findet man im Bioladen bei der Schokolade (in Rohkostqualität). Zusammen mit dem Mandelöl sind das teure Zutaten, aber es lohnt sich! Der Geschmack ist fantastisch. Ich habe die Orangenschale allerdings nicht getrocknet, sonder einfach so dazugemischt.

  3. …nochwas: die Kakaonibs habe ich nicht gemahlen, sondern mit dem Mörser zerstoßen. Hat offenbar dem Ganzen keinen Abbruch getan.

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